Wie bekannt ist, heißen Osterglocken Narzissen, nach Narziss, einem griechischen Adonis. Ein Beau.
Narziss
An eines Sees oder Flusses Gestaden zog er sich aus. Er wollte baden. Im Wasser sah er sein Spiegelbild verheißungsvoll lächeln, betörend mild, hinreißend wild, mit gleichem maßlosen Begehren. „Du bist so schön, ich liebe dich.“ Er wollte sich nicht wehren. Und da versank er in sich. Er ertrank.
Gisela Munz-Schmidt
Am Ufer erblühten dann die ersten Narzissen.
Sibylle Buderath Aquarell
Sonnengoldene Narzissen, wie sie es wissen, wann die rechte Zeit ist, denn alles im Leben hat seine Zeit, sagt der Prediger Salomo, und jede Narzisse weiß es auch.
Und ich muss es Tag für Tag lernen.
Gisela Munz-Schmidt
Osterglocken
…wiegen sich im Wind in der Wiese und im Park wild und kultiviert…
Gisela Munz-Schmidt
Den Frühling finden
Die Sonne, die Wärme, die Osterglocken wollen ins Freie und Weite dich locken. In Gärten, zwischen Polstern und Blütenkissen, wiegen sich die Prachtnarzissen. Oder sieh doch! Diese stehen heiter in der Wiese mit leuchtendem Gelb und frischem Grün, schau nur, wie sie üppig blühen!
Schnür deine Schuh und mach dich bereit: Jetzt kommt die unbeschwerte Zeit!
Es gibt noch zwei Konzerte im Bürgerhaus KulturIO:
Vorgestern war ich beeindruckt vom Konzert des Eröffnungsabends, das auf mich wie ein Feuerwerk wirkte, und gestern war ich völlig hingerissen, als Lida und Martin Panteleev eigene Kompositionen vorstellten. Eine grandiose Gefühlswelt kam da zum Ausdruck, für deren Spektrum meine Sprache keine Worte hat: Es ist Musik!
Lida Panteleev stellte auch einige ihrer Gemälde aus , und zwei davon ließen mich nicht los, und ich habe heute nach dem Aufwachen Gedichte dazu entworfen:
Vom Verborgenen
Weiß wie Lawinen, hell wie Wasserfälle, und doch ist es eine Nebelwolke, opak und quellend vom Himmel ins Tal. Und alles verhüllt sie, was sein wird, was jetzt ist und jegliches „Es war einmal.“ Die schwarzen Wächtertannen hüten das Geheimnis. Starr stehen sie ums dichte Gewoge und verraten nichts. Aber wollen wir wirklich alles genau wissen?
Gisela Munz-Schmidt Gedanken zu einem Gemälde von Lida Panteleev Silver Fog
Vom Klaren
Voll scheint hier der Mond und spiegelt sich, damit wir unmissverständlich und doppelt den Einklang wahrnehmen, das göttlich vollendete ruhige Runde in der Schönheit der Farben. Und das Wunder, wenn eines dem anderen entspricht und wenn etwas erwidert wird. Es ist Liebe, wie Liebe ist.
Gisela Munz-Schmidt Gedanken zu einem Gemälde von Lida Panteleev
Foto : Gisela Munz-Schmidt von links: Sebastian Navarro, Lida Panteleev, Martin Panteleev, Alexander Dimitrov am 12.3.2026 in Owingen
Viermal so hoch wie der Münsterturm würden warten die Räder auf Wind und auf Sturm. Still und starr würden ruhen im Nebel untätig die Rotorenhebel. Im Sommer, so ein Segler mir anvertraute, gibt es die berüchtigte Bodenseeflaute. Man sähe die Räder also meilenweit und fragte sich nach der Windhöffigkeit. Wenn schon das Stadtbild macht alle wild, wo bleibt das harmonische Landschaftsbild? Vom Eingriff in die Natur ganz zu schweigen. Jeder Tourist wird auf die Räder zeigen! Was nützt es? Wem nützt es? Ist es das wert? Bedächtig abwägen ist niemals verkehrt. Denn wenn die Räder einmal stehen, sind sie jahrzehntelang zu sehen. Deshalb fragt sich hier zur Zeit fast jeder: Will Überlingen tatsächlich unter die Räder? Erneuerbare gerne, aber wirklich so? Mit herzlichen Grüßen, Narri-Narro.
Foto: Gisela Munz-Schmidt Löwinnen beim Umzug in Owingen am 23.Januar 2026
Eine Überlinger Sage:
Die Frau und der Löwe
Zu Staub zerfällt die Welt. Ins Grab geht alles Leben hinab. So lautet das Gesetz.
Doch gibt es Kräfte, die dem widerstehen. Erinnerung ist eine solche Spur vom Einst ins Jetzt, und auch das Wort erhält. Gegen das Fallen und Verlieren steht Liebe auf und überwindet.
Beim Tor lebt‘ eine Frau, die hatte nur ein einziges Kind, das liebte sie so sehr, dass andere sagten, sie wär‘ vor Liebe blind. ( Wir wissen wohl, wie Liebe blendet, doch auch, dass sie erkennt.) Jedoch so kurzen Blicks, wie oft die Leute sind, wollten sie diese Ansicht gar nicht gelten lassen. Da irrte eines Tages durch die Straßen und die Gassen von Überlingen ein Löwe. Woher? Wohin? Kein Mensch hat‘s je gewusst! Er lief geradewegs zum Hause jener Frau und nahm mit großem Maul das vielgeliebte Kind, als sei es Löwenfutter, von ihrer Brust. Die Mutter, ganz außer sich und offenen Haares, entriss es ihm. Da war‘s gerettet, und der Löwe, vom Löwenmut der Frau geschlagen, zog knurrend ab mit leerem Magen und ward nie mehr gesehen.
Den Löwenkopf ließ jene Frau aus Stein als Angedenken hauen und diesen Stein ins Haus einbauen.
Das Haus verfiel, ein Spiel der Zeit, der Löwenkopf, er wurde abgenommen, ist aber später dann verkommen, der Stein zu Sand und Staub zerfallen.
Das Wort, das Lied, nimmt Sand und Staub und macht daraus den Stein, der ewig hält. Darum wird allen Leuten die Sage von der tapferen Frau erzählt.
Ich glaube wohl, sie soll bedeuten: Selbst wenn es starke Gegenmächte gibt, wachsen dem Menschen Kräfte, wenn er liebt.
Gisela Munz Schmidt Aus: Sagenhaftes Überlingen Owingen Salem Heiligenberg ( Quelle: Theodor Lachmann, Sagen und Bräuche am Überlinger See)
Erhältlich im Städtischen Museum Überlingen und bei Gisela Munz-Schmidt
Weitere Gedichte zu der närrischen Jahreszeit siehe unter Themen: „ Fasnet/ Fastnacht/ Karneval“
Kaum hast du den Bogen raus, sind alle Pfeile verschossen und für das nächste Ziel musst du die Disziplin wechseln, Seil tanzen, über Stäbe springen, jonglieren, spurten, auftauchen, untertauchen, davonschwimmen, zurückrudern, abfahren, in die Pedale treten, Gas geben, werfen, fangen, Salto vorwärts , Salto rückwärts, in die Bresche springen, in der Spur gehen, dich verrennen, über die Stränge schlagen, dich durchboxen, dich durchringen, und so geht es immer weiter, immer anders, und du musst die Balance halten, damit du beim Dauerlauf durchs Leben nicht auf der Strecke bleibst.
Doch du läufst nicht allein.
Gisela Munz-Schmidt
FAMILIE Foto: Georg Schmidt, Juli 2025Kegelfreunde auf dem Lyrikweg 2025Einweihung Sagenweg Billafingen, 10. Juli 2025
Auf dem Hödinger Höhenweg im Januar 2026
Weitere Gedichte siehe unter den Themen: „Mitten im Leben“ oder „Frauentexte“
Übrigens: Meine Gedichte sind sowohl unter „Themen“ als auch chronologisch eingeordnet!
Wir sehen im Winter ihn gern, den glanzvollen Ritterstern. Wenn seine Schönheit sich entfaltet, vollendet in Kelchform sich umgestaltet, erkennen wir in dieser Pracht eine innewohnende Eigenmacht, die von jeher ein großartiges Wunder bot. Das zeigt er in seinem strahlenden Rot.
Gisela Munz-Schmidt
My very best wishes to all of you all over the world for a Merry Christmas 🎄 and a Happy New Year! 🍀
„ Als ich nach Hause ging, schien das Licht auf besondere Weise zu leuchten, so als seien tausend Kerzen am Himmel aufgesteckt, und es war doch nur die eine Dezembersonne, die weich schien und dem Morgen die Kälte abnahm so wie einer des anderen Last.“
1998 als fünftes gemeinsames Buch mit Sibylle Buderath im Verlag Stadler Buchtaufe im Rathaussaal Owingen
Gisela Munz-Schmidt und Sibylle Buderath beim Signieren
Seewoche Überlingen 1998 Habent sua fata libelli Bücher haben ihre Geschichte
10 Jahre lang schrieb ich für die Weihnachtsbeilage der Überlinger Seewoche eine Kurzgeschichte und Gedichte. Das waren meine allerersten Veröffentlichungen! Den Redakteurinnen Eva-Maria Henkel-Böhret und Reinhild Kopsch verdanke ich deren Organisation und Präsentation.
Diese Textsammlung bildete die Grundlage für das Winter-und Weihnachtsbuch, das Sibylle Buderath mit Aquarellen ergänzte und illustrierte und das 1998 in der ersten Auflage im Verlag Stadler erschien und in Owingen getauft wurde.
Über jede Buchhandlung kann es bestellt werden!
Siehe auch weiter unter Themen „Winter und Weihnachten“